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Fiat X1/9 Ein reinrassiger Vollblut-Sportwagen

Die Konstrukteure bei Fiat hatten keine Lust mehr, auf Bewährtes zu setzen, als sie sich über den X1/9 Gedanken machten. Und so kam es dann auch. Damit der neue sportliche Zweisitzer kein Imitat des Vorgängers Fiat 850 Spider würde, setzte das Unternehmen auf eine ungewöhnliche Optik: Markante Züge sollte er haben, eine schmallippige Schnauze und einen eckigen Hintern. Der X1/9 sah aus wie ein Keil auf Rädern. Anders als der Spider mit seinem Heckmotor und der Fiat Primola mit Frontantrieb hatte der neue X1/9 das Triebwerk direkt vor der Hinterachse. Das war nichts sensationell Neues - im Gegenteil, PS-Fetischisten kannten das Prinzip als typisch für Sportwagen. Nur hatte es so etwas bisher noch nicht in der Klasse gegeben, in der der X1/9 zu Hause war: Der "Keil" brachte auch solchen Fahrern das Ferrari-Feeling näher, die sich solche Karossen niemals hätten leisten können. Eben diese geschickte Kombination ließ den X1/9 zum Bestseller der 70er Jahre werden. Soziologen würden vielleicht behaupten, der X1/9 war ein Stück Demokratisierung des bislang Elitären - und hätte auch in dieser Hinsicht dem Zeitgeist entsprochen. Jedenfalls verlangte Fiat für den Targa- Flitzer mit dem abnehmbaren Dach 1973 gerade 11 285 DM. Der X1/9 galt als ein Kind seiner Zeit: Die Exclusiv- Sonderserie etwa war mit farbenfrohen Sitzbezügen ausgestattet, die geschmacklich ganz der Flower- Power- Ära huldigten. Auch die Motorisierung war auf Fahrer abgestimmt, die ihren Spaß; daran hatten, den Spießern auf deutschen Straßen "pausenlos den Auspuff zu zeigen". Denn der X1/9 hatte imVergleich zum Spider deutlich zugelegt: Statt der gerade 52 PS und 903 Kubikzentimeter bot "der Keil" ein Triebwerk mit 1290 Kubikzentimetern Hubraum und 75 PS. Der Vierzylinder- Motor beschleunigte schnell genug, um den Drehzahlmesser in den roten Bereich zu befördern, kaum daß der Fahrer schalten konnte - zumal der Zweisitzer nur rund 880 Kilogramm wog. Die 100-Stundenkilometer- Marke war in zwölf Sekunden erreicht, die Spitze lag bei 170 km/h. Der "Baby-Ferrari" mit dem eckigen Äußeren war augenscheinlich bemüht, seinem Besitzer das gute Gefühl zu geben, einen schnellen Sportwagen zu fahren. Zu diesem Zweck gab es nicht nur einen kurzen Schalthebel, sondern gleich auch noch ein Sportlenkrad mit vier Speichen. Die Karosserie entstand bei Nuccio Bertone, dem "Armani des Automobildesigns". Der 1997 gestorbene Auto- Stylist gehörte zu den renommiertesten der Branche. Sein Chefdesigner, Marcello Gandini, zeichnete für den X1/9 verantwortlich: Der Zweisitzer wurde zu seinem größten Erfolg. Den kleinen Italiener gab es ab 1976 dann auch in einer weiteren Ausstattung als X1/9 Exclusiv. Den Auftrag zur Gestaltung der Sonderserie erhielt wiederum Nuccio Bertone, der vor allem versuchte, das Äußere des Wagens auffälliger zu machen: So erhielt die Exclusiv- Karosserie breite schwarze Seitenstreifen mit geometrischem Muster, die von der vorderen Stoßstange bis unter die Rückleuchten reichten. Metallic-Lackierung gab es serienmäßig, außerdem einen größeren Frontspoiler und rechteckige Zusatz-Fernscheinwerfer. Zwischen Tür und vorderem Kotflügel prangte außerdem ein Schild, das neben dem Namensschriftzug Bertones auch die Produktionsnummer zeigte. Zum serienmäßigen Lieferumfang gehört zudem ein zweiteiliges Kofferset aus grobem, mit Schottenmuster bedrucktem Leinen. 1978 war dann das Jahr der größten Verbesserung des Fiat X1/9, es wurde eine Hubraumerweiterung auf 1500ccm vorgenommen, eine Neugestaltung des Innenraumes sowie als Tribut an das Hauptexportland USA und an den Zeitgeist, breite Stoßstangen eine geänderte Motorhaube und ein Katalysator angebaut. 1982 versprach sich Fiat keinen Erfolg mehr mit seinem Flitzer und er passte anscheinend auch nicht mehr in die Modellpalette. Man trennte sich von seinem Stiefkind entgültig und ab 82 fertigte Bertone seinen X1/9 in Eigenregie und unter eigenem Namen bis zur letzten Version ,, Grand Finale``. 1989 wurde die Produktion entgültig eingestellt obwohl sich Bertone Gedanken über einen Nachfolger gemacht hatte (mit Uno Turbo Motor) sie dann aber wieder verworfen hatte. Die Gesamtproduktion belief sich bis dahin auf ca.140 000 Einheiten. Fiat hat in diesem Jahr gleich zwei Gründe, sich an den X1/9 zu erinnern: Vor 25 Jahren begann der nicht einmal vier Meter lange Flitzer seine Erfolgsstory, der Produktionsstop des 1300`ers, 1978 ist genau 20 Jahre her. Man sagt der X1/9 war der Ferrari, den Fiat nie zu Ende gebaut hatte. Fast in Vergessenheit dürfte geraten sein, daß; der X1/9 auch seine Schwächen hatte: als wieselflinkes Go-Cart wurde der Wagen zuweilen tituliert, aber eben als Go- Cart - und das soll wohl heißen, als nicht ganz vollwertig im Vergleich zu den Großen der Branche. Vor allem seine selbst für damalige Verhältnisse etwas schwache Motorisierung, hat seinen ganz großen Erfolg in Europa etwas verhindert. Aber so war er natürlich ein gefundenes Fressen für alle Tuner und PS- Fetischisten, die auf Grund seines einfachen Aufbaues und seiner hervorragenden Strassenlage auch im Rennsport beachtliche Erfolge feiern konnten. Für uns im Fanclub gilt es ihn zu pflegen und für eine spätere Generation zu erhalten, denn ein gefragter Youngtimer ist er jetzt schon, was seine steigenden Preise für gut erhaltene ältere Modelle zeigen.


 


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